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Kurzer Blick in die Geschichte der Gemeinde
In grauer Vorzeit war das Gebiet unserer Doppelgemeinde wegen des unberechenbaren Rheines vermutlich nicht dauerhaft besiedelt, zumal auf der gegenüberliegenden Rheinseite bessere Voraussetzungen für die Flucht vor Hochwasser bestanden. Erst in der Jungsteinzeit scheinen sich einige wenige Siedler niedergelassen zu haben. Funde in unserer Gemarkung belegen eine durchgehende Besiedelung von der Hallstattzeit an (Hallstattzeit = ca. 500 v. C. bis zur Zeitenwende).
Gesichert ist die Anwesenheit der Römer in unserer Gemarkung. Sie waren die ersten uns bekannten ‘Ausländer’, denen im Laufe der Jahrhunderte viele Besatzungen von Kelten, Germanen, Alemannen, Burgundern, Franken, Österreichern, Kosaken und - in vergleichsweise jüngerer Zeit - von Schweden, Franzosen und Amerikanern folgten.
Insbesondere die ‘jüngeren’ Besatzer leben in ihren Befehlen und deren Auswirkungen in Ginsheim-Gustavsburg weiter: Der Schwedenkönig Gustav II Adolf und sein Kanzler Graf Oxenstierna (Ochsenwiese?) ließen 1632 während des 30-jährigen Krieges die Schanze Gustavsburg bauen, von der heute allerdings nur noch Fragmente und die sich weithin dehnenden Festungsgräben der Ochsenwiese erhalten sind. Der größte Teil des heutigen Gustavsburg war seit alter Zeit Bestandteil der Kostheimer Gemarkung und seit 1528 in Mainzer Besitz. Unter Napoleon wurde der Main als Grenze des Département Mont Tonnerre festgelegt. Das Gebiet südlich des Mains wurde von Kostheim getrennt und dem Großherzog von Hessen-Darmstadt zugewiesen, der es Ginsheim zuteilte.
Ohne ausländische Einwirkung erfolgte der Anschluß der Doppelgemeinde an die Stadt Mainz am 1.1.1930. Mit dem Kriegsende 1945 jedoch legten die neuen Besatzer den Rhein als Zonengrenze zwischen der französischen und der amerikanischen Zone fest, die später zur Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen werden sollte. Seitdem gehört Ginsheim-Gustavsburg wieder zum Landkreis Groß-Gerau und damit zu Hessen.
Ginsheim ist also ein altes Dorf, das hauptsächlich von der Landwirtschaft, der Fischerei und der Müllerei lebte. Gustavsburg als Wohnort hingegen ist noch keine 150 Jahre alt. Die damalige Maschinenfabrik Klett & Co. aus Nürnberg (später aufgegangen in die MAN) richtete im Jahr 1858 auf der Mainspitze eine Montagewerkstatt ein, um im Auftrag der Hessischen Ludwigs-Eisenbahngesellschaft eine 1036 m lange eingleisige Rheinbrücke zu bauen. Zu dieser Zeit stand nur ein Haus in Gustavsburg: das Gasthaus ‘Zur Gustavsburg’, das zugleich auch als Fährhaus diente. Das schnelle Wachstum der Klett war letztendlich Ausgangspunkt für das Entstehen des Gemeindeteils Gustavsburg.
Anzumerken bleibt, daß es keine Gemarkung Gustavsburg gibt: Der Ortsteil Gustavsburg liegt insgesamt in der Gemarkung Ginsheim.
Für weitere Informationen verweisen wir auf die Chronik der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg von 1976 und das Buch “Das Leben in Ginsheim-Gustavsburg im Wandel der Zeit” aus dem Jahr 2005.
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